Ein Team auf sechs Beinen

Die Hundestaffel des Flughafens

Rund 75.000 Mitarbeiter sind am Frankfurter Flughafen tätig – 13 davon haben Fell und vier Pfoten. Denn: Die Fraport AG unterhält als Flughafenbetreiber eine eigene Hundestaffel. Bei allen Tieren handelt es sich um ausgebildete Schutzhunde; elf davon können zudem Sprengstoff erschnüffeln und anzeigen.

Ein Diensthund und sein Hundeführer bilden eine Einheit, und das meist ein ganzes Hundeleben lang. „Die beiden sind sozusagen ein Team auf sechs Beinen“, sagt Peter Ruß, der die Hundestaffel seit 1998 leitet. „Tatsächlich leben die Tiere sogar bei ihren Hundeführern zu Hause – das gilt bei uns mit nur einer Ausnahme: Der Mietvertrag eines Kollegen erlaubt keine Haustierhaltung. Sein Diensthund bleibt abends deshalb in unserer flughafeneigenen Hundepension und fühlt sich auch dort sehr wohl.“

Zur Hundestaffel gehören zum Beispiel Riesenschnauzer sowie deutsche, belgische und holländische Schäferhunde. Ihre Aufgabengebiete sind breit gefächert: So sind die Vierbeiner zum Beispiel für den Objektschutz zuständig. „Da ersetzt der Hund den zweiten Mitarbeiter“, erklärt Ruß. Der Schutzhund und sein Hundeführer gehen gemeinsam auf Streife. Klingelt irgendwo eine Alarmanlage, durchsuchen sie das betreffende Gebäude. „Außerdem wirken Hunde deeskalierend“, weiß der Staffelführer. „Gewaltbereite Störer zum Beispiel haben vor einem Hund erfahrungsgemäß gleich viel mehr Respekt. Dennoch ist mir wichtig zu betonen: Wir halten die Hunde nicht, um dem jeweiligen Gegenüber Angst zu machen.“

Speziell die Sprengstoffspürhunde haben aber noch ganz andere Aufgaben. Sie kommen zum Beispiel dann zum Einsatz, wenn im Terminal ein herrenloser Koffer steht. Auch wenn solche Situationen meist harmlos ausgehen: Ein verlassenes Gepäckstück wird grundsätzlich als verdächtig eingestuft. „Wir lassen dann einen der Hunde an dem Koffer schnüffeln“, erklärt Ruß. „Befindet sich darin Sprengstoff, zeigt der Hund das an, indem er sich danebensetzt oder -legt. Das sonst übliche Kratzen am Gepäckstück können wir uns in solchen Situation natürlich nicht erlauben. Schließlich könnte eine solche Berührung im schlimmsten Fall eine Explosion auslösen.“ Sprengstoffhunde suchen aber auch Räume ab, in denen später wichtige Personen tagen sollen. Routinemäßig beschnuppern sie die Hauspost – und auch in Fundsachen stecken sie bisweilen ihre geschulte Nase. Viele Passagiere freuen sich, wenn sie einen der Hunde auf dem Flughafengelände sehen. Streicheln ist aber leider nicht erlaubt: Die Hunde sind zwar gut sozialisiert, sollen sich aber auf ihren Einsatz konzentrieren.

Die Ausbildung für die vierbeinige Eliteeinheit beginnt schon, wenn ein Hund zwischen acht und elf Monaten alt ist. Dann lässt sich bei der tierärztlichen Untersuchung erkennen, ob er tatsächlich rundum gesund ist. „Das ist wichtig, weil wir während der Ausbildung viel in die Tiere investieren und uns natürlich wünschen, dass sie danach einige Jahre aktiv sind. Außerdem gibt es eine emotionale Bindung zwischen Hundeführer und Hund. Für die Kollegen ist es immer schlimm, wenn ihr Tier erkrankt.“ Ab dem Alter zwischen acht und elf Monaten werden die Hunde praktisch im Umfeld des Flughafens groß. So gewöhnen sie sich an diese spezielle Umgebung und haben keine Angst vor den riesigen Flugzeugen oder den vielen Menschen, die sich dort täglich aufhalten. „Ihre Aufgaben bringen wir den Hunden spielerisch bei“, erzählt Hundestaffel-Leiter Ruß weiter. „Ein Sprengstoffhund zum Beispiel ist letztlich immer auf der Suche nach seinem Spielzeug. Wir prägen ihn auf die spezifischen Gerüche, denen folgt er intuitiv. Und er zeigt es uns an, wenn er fündig wird.“

Zwischen acht und zehn Jahre dauert das Arbeitsleben eines Diensthundes bei Fraport. Ihren Ruhestand verbringen die Tiere meist bei ihrem Hundeführer zu Hause. Ein Team bleibt eben ein Team. Auch dann, wenn einer von beiden in Rente geht.