Der Flughafen im Flughafen

Das General Aviation Terminal

„Diskretion. Das ist für uns das A und O.“ Wenn man Erdal Köroglu nach der wichtigsten Regel fragt, die für ihn und seine Kollegen im General Aviation Terminal (GAT) gilt, muss er nicht lange überlegen. Denn: Es sind zumeist Passagiere mit einem besonderen Status, die das – zu deutsch – Terminal für die Allgemeine Luftfahrt ansteuern. Regierungsvertreter, Konzernvorstände, Sportler und Hollywoodgrößen geben sich hier die Klinke in die Hand – eben jeder, der sich ein eigenes Privatflugzeug leisten oder von Amtes wegen auf ein solches zurückgreifen kann.

Persönlichkeiten ohne Geltungsbedürfnis

Aus flugbetrieblicher Sicht gilt allerdings zunächst: Ein Flugzeug ist ein Flugzeug. Und das benötigt – egal ob es ein Hollywoodsternchen oder 500 Linienpassagiere an Bord hat – einen so genannten Slot, um den Frankfurter Flughafen ansteuern oder von dort wieder abheben zu können. Während die Zeitfenster, die eine Maschine zum Starten oder Landen zugewiesen bekommt, bis zur Eröffnung der Landebahn Nordwest knapp und die Kapazitäten insbesondere für die private Luftfahrt begrenzt waren, hat sich das mittlerweile geändert. Zwei Privatmaschinen pro Stunde sind in Frankfurt heute einkalkuliert, im vergangenen Jahr starteten und landeten durchschnittlich 23 der kleinen Jets am Tag. Von der Flugsicherung werden sie regulär in den Strom der planmäßigen Linienflüge eingereiht.

Für das, was in der Stadt oder im Rhein-Main-Gebiet los ist, ist der Betrieb am General Aviation Terminal oft ein guter Gradmesser. „Auf dem Höhepunkt der Bankenkrise war hier die Hölle los – da haben wir ganz deutlich gemerkt, dass Frankfurt ein wichtiges Entscheidungszentrum der internationalen Finanzwelt ist“, erinnert sich Erdal Köroglu und ergänzt gleich noch ein zweites Beispiel: „Ähnlich war es im September während der Internationalen Automobil-Ausstellung, als die Vorstände nahezu aller Fahrzeughersteller der Welt unsere Dienstleistungen in Anspruch genommen haben.“ Dazu gesellen sich Fußballmannschaften und Formel-1-Fahrer, Künstler, Musiker und viele wohlhabende Gäste aus Russland und dem Nahen Osten. Denkwürdige persönliche Begegnungen bleiben da nicht aus – etwa wenn es sich eine deutsche Fußballlegende nach der Landung nicht nehmen lässt, im Pausenraum der Einsatzleitung ein entscheidendes Fußballspiel gemeinsam mit dem Personal zu Ende zu schauen. Den Umgang mit den vielen großen Persönlichkeiten empfinden Köroglu und seine Kollegen als angenehm: „Sie haben kein besonderes Geltungsbedürfnis, sind sehr höflich und wissen vor allem, wie man sein Gegenüber angemessen behandelt.“

Autogramme sind tabu

Der Weg von der Kabinentür ihres Privat- oder Firmenjets bis zum Terminalausgang ist schnell und unkompliziert. Die Fraport-Mitarbeiter holen sie mit einer Limousine direkt an der Maschine ab und kümmern sich parallel um das Gepäck und die Versorgung der Besatzung. Die Größe des Flugzeugs ist dabei unerheblich: Für klassische Privatmaschinen stehen zehn Abstellpositionen direkt am Terminal zur Verfügung; wenn eine saudische Großfamilie – und auch das kommt schon einmal vor – mit einer Boeing 747 anreist, kann diese auf einer der vielen benachbarten Positionen parken. Von der Kabinenreinigung über das Catering bis hin zur Versorgung der Piloten mit allen wichtigen Flug- und Wetterinformationen bietet das GAT-Personal dabei alle Dienste an, die auch die großen Passagierfluggesellschaften in Anspruch nehmen.

Eines ist für die Mitarbeiter des General Aviation Terminals absolut tabu: Autogramme und Fotos. In Schulungen bekommen sie ein Gefühl für die richtige Mischung zwischen der gebotenen Zurückhaltung gegenüber ihren Gästen und ihrem Auftrag, immer den ersten Schritt in Richtung des Kunden zu tun. In drei Schichten sind sie rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr im Einsatz. Auch das Nachtflugverbot hat daran nichts geändert: Eilige Transporte von Lebendorganen und Rettungsflüge mit schwer erkrankten oder verunglückten Patienten an Bord werden ebenfalls über das General Aviation Terminal abgewickelt und sind aufgrund ihrer übergeordneten Dringlichkeit von den Einschränkungen befreit.

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