Fahrstunde der besonderen Art

Ohne Fahrzeuge am Boden würde am Frankfurter Flughafen keine Maschine abheben – deshalb gibt es den Vorfeldführerschein

Zwischen 100 und 200 Flugzeuge sind in der Regel zeitgleich auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens unterwegs – und fast 5.000 Fahrzeuge. Ohne sie geht auch an einem Luftverkehrsdrehkreuz nichts: Passagierbusse, Catering-Wagen, Reinigungskräfte, Flugzeugschlepper und Techniker sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was auf vier oder mehr Rädern an Deutschlands größtem Airport unterwegs ist und einen reibungslosen Flugbetrieb überhaupt erst ermöglicht. Für die Fahrer gelten dabei ganz eigene Gesetze und Verkehrsregeln.

Flugzeuge haben immer Vorfahrt. Es ist die wichtigste und zugleich einprägsamste Regel, die für alle Verkehrsteilnehmer auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens gilt. Der Rollverkehr der Jets steht dort naturgemäß im Mittelpunkt des Geschehens. Und weil er ganz anderen Regularien folgt als der Verkehr auf deutschen Straßen, müssen sich alle anderen Fahrzeuge und ihre Fahrer diesen anpassen. Bevor sie vom Flughafenbetreiber eine Fahrerlaubnis für den Sicherheitsbereich des Luftverkehrsdrehkreuzes erhalten, müssen sie noch einmal Fahrstunden der ganz besonderen Art absolvieren.

27.000 Fahrgenehmigungen

„In drei bis vier Stunden Theorieunterricht klären wir mit den Kursteilnehmern zunächst alle Details, die bei uns am Flughafen von der regulären Straßenverkehrsordnung abweichen“, beschreibt die Leiterin der Fraport-Fahrerausbildung Antje Auhl den Weg zum so genannten Vorfeldführerschein. „Im Anschluss geht es dann raus aufs Vorfeld. Dort sind wir mit regulär ausgestatteten Fahrschulautos unterwegs, üben die Theorie ein und nehmen daran anschließend auch eine praktische Prüfung ab. Und durch die kann man durchaus auch durchfallen.“ Anders als im „normalen“ Leben kann sich allerdings nur prüfen lassen, wer dies im Auftrag und im Namen seines am Flughafen aktiven Arbeitgebers tut und gleichzeitig belegen kann, für welche Tätigkeit die Fahrerlaubnis notwendig ist.

Während derzeit rund 27.000 Flughafenbeschäftigte eine Fahrgenehmigung für das Vorfeld besitzen, ist die Zahl derer, die auch das Start- und Landebahnsystem selbst befahren dürfen, deutlich kleiner. Sie benötigen zusätzlich zum Vorfeld- auch noch einen Rollfeldführerschein, eine Funkausbildung und Fahrzeuge, die mit Transpondern, Signallampen und Funkgeräten ausgestattet sind. Zugelassen sind dafür grundsätzlich nur die auffällig schwarz-gelb lackierten und allgemein als „Follow Me“ bekannten Fahrzeuge der Verkehrsleitung, Flugzeugschlepper, Winterdienst-, Instandsetzungs- und Reinigungsfahrzeuge.

Striktes Rauch- und Alkoholverbot

Die Verkehrsregeln setzt die Fraport AG als verantwortliche Betreibergesellschaft in Anlehnung an die international auf Flughäfen üblichen Standards fest. Nicht nur die prinzipielle Vorfahrt für Luftfahrzeuge unterscheidet sich dabei deutlich von der Verkehrswelt außerhalb des Flughafenzauns: Die Höchstgeschwindigkeit liegt generell bei 30 Kilometern pro Stunde; Fahrzeuge, die mit einem Anhänger unterwegs sind, müssen noch stärker auf die Bremse treten und dürfen mit maximal 25 Stundenkilometern unterwegs sein. Zu einem strikten Rauch- und Alkoholverbot gesellen sich darüber hinaus auch Pflichten: Ein unabhängig von Tages- und Nachtzeiten eingeschaltetes Abblendlicht und das permanente Tragen einer gelben Warnweste sind überall auf dem Vorfeld ein Muss.

Komplexes Straßensystem

Viel Aufmerksamkeit erfordert die differenzierte Wegeführung. „Hier am Flughafen unterscheiden wir etwa zwischen Fahr- und Rollbereichsstraßen. Während erstere einer gewöhnlichen Straße noch am nächsten kommen und ausschließlich Fahrzeugen vorbehalten sind, kreuzen letztere die Rollbahnen der Flugzeuge und müssen sofort geräumt werden, wenn sich eine Maschine nähert“, erklärt Jens Peters, der seit vielen Jahren in der Fahrerausbildung aktiv ist, das Straßensystem am Flughafen. „Und eine Sonderstellung nehmen schließlich die so genannten Fahrkorridore entlang der Terminalpositionen ein. Sie sind ausschließlich dem Abfertigungsverkehr vorbehalten und dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren werden. Ausnahmsweise können die Fahrer dort zum Beispiel auch das Heck eines Flugzeugs unterqueren – normalerweise ist es nämlich strikt verboten, unter einem Jet hindurchzufahren.“

Größter Fauxpas für alle, die auf dem Vorfeld unterwegs sind, ist es, einen rollenden Jet auszubremsen. Nach einer Vollbremsung darf dieser seine Reise nicht mehr weiter fortsetzen, sondern muss zur Bremsenwartung – mit allen Konsequenzen, die das für die Passagiere an Bord sowie die Betriebsabläufe der betroffenen Airline mit sich bringt. Nicht nur deshalb haben die Mitarbeiter der Verkehrsleitung sowie die Airport Security ständig ein wachsames Auge auf die Verkehrsteilnehmer: Sie machen auf falsches Fahrverhalten aufmerksam und können bei schwerwiegenden Regelverstößen die Fahrgenehmigung für das Vorfeld einziehen.

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