NORAH-Studie

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Die NORAH-Studie wurde von 2011 bis 2015 durchgeführt und ausgewertet. Ziel war es, eine möglichst umfassende und wissenschaftlich abgesicherte Beschreibung der Auswirkungen des Lärms vom Flug-, Schienen- und Straßenverkehr auf die Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Wohnbevölkerung zu erhalten.

Die ersten Ergebnisse zur geistigen Entwicklung von Kindern wurden bereits im November 2014 vorgestellt. Die restlichen Ergebnisse folgten im Oktober 2015.

Die Studie ist in drei Module aufgeteilt: Belästigung und Lebensqualität, Gesundheit und geistige Entwicklung von Kindern.

Gesundheit

Auf Basis von Verordnungs- und Abrechnungsdaten der Krankenkassen DAK und AOK wurden die Auswirkungen von Verkehrslärm auf das Risiko an Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Depressionen und Brustkrebs zu erkranken, untersucht. Allen Versicherten wurden adressgenau Werte für Straßen-, Schienen- und Fluglärm zugeordnet, dabei wurden im Sinne einer Lärmhistorie die letzten zehn Jahre vor Auftreten der Erkrankungen berücksichtigt. Die Verkehrslärmexposition von erkrankten und nicht-erkrankten Personen wurde miteinander verglichen.

Herzinfarkt

Einen Zusammenhang zwischen Fluglärm und dem Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, konnte die Studie für die Gesamtgruppe nicht zeigen. Andere Faktoren, wie etwa die Ernährung, Stress oder Rauchen haben dagegen einen deutlichen Einfluss auf die Risikoerhöhung.

Schlaganfall

Einen Zusammenhang zwischen Fluglärm und dem Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, konnte die Studie generell nicht zeigen.

Vergleich Straßen-, Schienen- und Flugverkehrslärm

Im Vergleich zu Straßen- und Schienenverkehrslärm zeigten sich für Herzinfarkt und Schlaganfälle insgesamt geringere Erkrankungsrisiken durch Fluglärm.

Herzinsuffizienz

Bei allen Verkehrsträgern zeigt sich eine Risikoerhöhung für Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Pro 10 dB Pegelanstieg steigt das Risiko einer Erkrankung bei Schienenverkehrslärm um 3,1%, bei Straßenverkehrslärm um 2,4% und bei Flugverkehrslärm um 1,6%.

Depressionen

Die Studie hat insgesamt einen Zusammenhang zwischen allen drei Verkehrslärmarten (Flug-, Straßenverkehrs- und Schienenverkehrslärm) und der Diagnose einer depressiven Episode festgestellt. Die spezifischen Risikofaktoren für Depressionen wurden in der Studie allerdings nicht berücksichtigt. Den Schluss, wonach Verkehrslärm im Sinne eines Auslösers für das Entstehen der Erkrankung verantwortlich wäre, ist in dieser Form aus unserer Sicht daher nicht aus den Studienergebnissen ableitbar.

Brustkrebs

Ein verkehrslärmbedingtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken, konnte die Studie nicht nachweisen. Lediglich für Fluglärmpegel über 55 dB im Zeitraum zwischen 23 und 5 Uhr gab es einen statistischen Zusammenhang für sehr wenige Einzelfälle.

Durch Einführung des Nachtflugverbotes am Frankfurter Flughafen besteht dieses Risiko jedoch nicht mehr.

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Blutdruck

Anhand von dreiwöchigen Selbstmessungen wurde in zwei aufeinanderfolgenden Jahren der Blutdruck von 844 Personen zwischen 10 und 82 Jahren festgestellt. Zusätzlich wurde das 10-Jahres-Herzinfarktrisiko ermittelt und Angaben zum Lebensstil, zur Lärmempfindlichkeit und weiteren subjektiven Faktoren erfragt. Alle Daten einer Person wurden jeweils mit Lärmwerten in Beziehung gesetzt.

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt weisen die Teilnehmer im Durchschnitt einen optimalen bzw. normalen Blutdruck auf. Auch andere gesundheitliche Parameter lagen im Bundesdurchschnitt. Ein Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutdruck und Fluglärm hat sich nicht gezeigt, zudem wurde für die Gesamtgruppe kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Belastung durch Fluglärm und dem Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko festgestellt. Auch die Herzfrequenz und die Blutdruckamplitude werden nicht wesentlich durch die Fluglärmbelastung erhöht.

Im Vergleich zu bisherigen Studien zeigt sich, dass Erkrankungsrisiken im Bereich Herz-Kreislauf durch Verkehrslärm insgesamt geringer sind und sich damit an der unteren Grenze der messbaren Risiken bewegen.

Die zentrale Forschungshypothese der Studie einer Ursache-Wirkungskette zwischen Fluglärm, Bluthochdruckerhöhung und daraus resultierenden Krankheiten hat sich somit nicht bestätigt.

* Der Blutdruck wird meist mit zwei Werten angegeben, Systole und Diastole.

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Lärmbelästigung und Lebensqualität

 

In der Belästigungsuntersuchung wurden zwischen 2011 und 2013 etwa 30.000 Telefoninterviews mit Bewohnern in Berlin, Frankfurt, Köln/Bonn und Stuttgart zur Lebensqualität und Lärmbelästigung durchgeführt. Für jeden einzelnen Befragten wurden adressgenau die Schalldruckpegel für Straßen-, Schienen- und Flugverkehrslärm berechnet.

In der Datenauswertung wurden Vergleiche zu den Flughafenstandorten, zur wahrgenommenen Lärmwirkung der verschiedenen Verkehrsträger und zur subjektiven Fluglärmwirkung vor und nach der Einführung des Nachtflugverbotes durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen eine hohe Lebensqualität der Befragten. Teilweise lag diese sogar über dem Bundesdurchschnitt. Sinkende Lebensqualitätsangaben konnten lediglich bei hoch lärmbelästigten Personen beobachtet werden.

Vor allem die durch die Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest neu belasteten Personen zeigen einen deutlichen Belästigungsanstieg. Hohe Belästigungswerte zeigten sich allerdings bereits schon vor der Eröffnung der Landebahn Nordwest. Dagegen konnte jedoch kaum ein Belästigungsrückgang bei denjenigen Personen beobachtet werden, die eine Lärmentlastung erfahren haben. Gründe dafür liegen auch in sogenannten subjektiven Faktoren, z.B. Erwartungen an zukünftige Lärmsituationen, das Vertrauen in die Lärmverantwortlichen, die bewertete Nützlichkeit des Verkehrsträgers und das eigene Lärmbewältigungsvermögen.

 

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Kinder

 

 

 

 

 

In Modul III der NORAH-Studie wurden ausführliche Tests, Befragungen und Messungen an 29 Schulen, 85 Schulklassen, 1.243 Kindern, 1.185 Eltern und 85 Lehrkräften im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt.

Ziel der Studie war es, zu untersuchen, wie sich Lärm auf das Lesen lernen, das gesundheitliche und schulische Wohlbefinden der Kinder und auf das Lernen zu Hause sowie in der Schule auswirkt.

Das Design der Studie wurde so angelegt, dass tatsächlich auf Fluglärm zurückzuführende Effekte mit hoher Wahrscheinlichkeit identifiziert werden konnten. Entsprechend genau sind die Ergebnisse: Der Einfluss von Fluglärm auf die Leseleistung entspricht bei einem Anstieg des Fluglärms um je 10 dB; bei Grundschulkindern einem Leserückstand von etwa einem Monat. In den am stärksten vom Fluglärm betroffenen Gebieten im Rhein-Main-Gebiet entspricht das einem Leserückstand von maximal rund zwei Monaten. Zum Vergleich: Der Leserückstand von Kindern aus Haushalten mit wenigen Kinderbüchern beträgt circa 3,5 Monate.

In Gebieten mit vergleichsweise hoher Fluglärmbelastung gaben Eltern eine höhere Anzahl an diagnostizierten Sprach- und Sprechstörungen sowie Medikamentenverordnungen an. Die Studie bietet aber keinen Anhaltspunkt dafür, dass sich beides auf Fluglärm zurückführen lassen könnte.

Im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt werden deutlich weniger Medikamente eingenommen und bei Sprachstörungen liegen die Werte im Bundesdurchschnitt.

Auch in den Leseleistungen unterscheiden sich die in NORAH untersuchten Kinder nicht vom Bundesdurchschnitt.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der Einfluss von Fluglärm auf die Lesefähigkeit von Kindern zwar messbar, aber vergleichsweise gering ist. Deutlich stärker wirken andere Faktoren, wie beispielsweise sozioökonomische Einflüsse oder unterrichtliche Rahmenbedingungen. Weiter zeigt sich, dass Fluglärm keine Auswirkungen auf die Ausprägung sogenannter Vorläuferfähigkeiten, wie etwa das Verstehen von Worten oder das Hören von Silben, hat. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität und das Wohlbefinden von Kindern und Eltern können insgesamt in der Region als hoch eingeschätzt werden.

 

 

 

 

 

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Schlaf

Gemessen an der Anzahl der Probanden handelt es sich bei der Schlafuntersuchung im Rahmen der NORAH-Studie um die weltweit größte Untersuchung zur Erhebung der akuten Auswirkungen von Fluglärm auf den Schlaf von Anwohnern. Zwischen 2011 – 2013 wurde der Schlaf von insgesamt 202 Erwachsenen aus Gemeinden rund um den Flughafen im Alter von 18 bis 78 Jahren zu Hause gemessen. Der Schall und die Geräusche direkt neben den Schlafenden wurden währenddessen kontinuierlich aufgezeichnet.

Ziel der Studie war es, Aussagen über die Schlafqualität unter Einwirkung von Fluglärm zu treffen. Die Untersuchung fand zu drei Zeitpunkten vor und nach Einführung des Nachtflugverbotes zwischen 23 und 5 Uhr statt. Die Schlafqualität wurde subjektiv, auf Basis von Befragungen, wie auch objektiv, durch medizinische Untersuchungen, untersucht.

Die Ergebnisse weisen insgesamt auf eine gute Schlafqualität der Flughafenanrainer hin. Dies war jedoch auch bereits vor der Einführung des Nachtflugverbotes der Fall. Sie zeigen auch, dass die erhöhte Anzahl an Flugbewegungen in der morgendlichen Randstunde nicht zu verfrühtem Erwachen oder zu längeren Wachphasen führt. Durch die Einführung des Nachtflugverbots und die damit verbundene Reduzierung der nächtlichen Flugbewegungen hat sich jedoch die Zahl der Aufwachreaktionen reduziert.

Die Studie legt darüber hinaus dar, dass die persönliche Einstellung zum Flugverkehr einen Einfluss auf die Qualität des Schlafes hat: Personen, die dem Flugverkehr gegenüber positiv eingestellt sind, zeigen weniger Schlafstörungen, als eine vergleichbare Gruppe mit einer negativen Einstellung zum Flugverkehr.

Zum Schallschutz-Engagement

Fraport und seine Partner sind seit vielen Jahren internationale Vorreiter beim aktiven und passiven Lärmschutz. Umfangreiche Auskünfte zu den Schallschutz-Maßnahmen am Flughafen Frankfurt sowie weiterführende Informationen zur NORAH-Studie, finden Sie unter nachfolgenden Links.

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