Wie erklären sich die Abweichungen von den veröffentlichten Abflugstrecken?

Abflüge erfolgen auf sog. Instrumentenabflugstrecken, in Frankfurt auch lärmgeminderte Strecken genannt, die von der DFS Deutschen Flugsicherung GmbH unter beratender Einbeziehung der Frankfurter Fluglärmkommission konstruiert und vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) festgelegt und veröffentlicht werden.

Bei der Planung der Abflugstrecken werden im Wesentlichen die Aspekte Sicherheit, praktische Anwendbarkeit durch Piloten und Flugsicherung, Kapazitätserfordernis sowie Lärmminimierung beachtet. Bei Abflügen obliegt die Führung des Flugzeugs dem Luftfahrzeugführer /-in, der die Maschine unter Berücksichtigung von Luftverkehrsregularien und Flugstreckenbestimmungen lenkt.

Piloten /-innen handeln vorschriftsmäßig, auch wenn sie von der lärmgeminderten Strecken abweichen, solange sie ihr Flugzeug innerhalb des jeweiligen Streckenkorridors oder Toleranzgebiet um eine Strecke führen. Das Streckenkorridor wird gemäß internationalen Richtlinien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation festgelegt.

Bei nachweislich unbegründetem Verlassen des Korridors erwartet den verantwortlichen Flugzeugführer grundsätzlich ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, dessen Einleitung die DFS beim BAF beantragt.

Zu Abweichungen von der Lärmminderungsstrecke, auch außerhalb des sog. Streckenkorridors, kommt es in sicherheitsrelevante Lagen wie z. B. Gewitter. Abweichungen sind in solchen Fällen sicherheitsbedingt erforderlich und deshalb zulässig.

Auch können Piloten /-innen ab einer bestimmten Flughöhe, gestaffelt je nach Tageszeit, auf Anfrage grundsätzlich Freigaben zum Verlassen des Sollkurses / Korridors bei der DFS anfragen. Voraussetzung dafür ist das Erreichen einer Mindestflughöhe von 6.000 Fuß NN (7-22 Uhr), 8.000 Fuß NN (22-23 Uhr und 6-7 Uhr) bzw. 10.000 Fuß NN (23-6 Uhr). 1 Fuß = 0,3048m; NN = Normalnull, Bezug auf Meereshöhe.

Diese Freigaben der DFS im Abflugbereich, auch Einzelfreigaben oder Directs genannt, sind auch zulässig und führen naturgemäß zu einer Streuung des Fluglärms, weil auch Gebiete überflogen werden, die nicht unterhalb einer Abflugstrecke liegen. Dies trägt einerseits zur Entlastung jener Anwohner bei, die im Flugerwartungsgebiet leben, belastet andererseits all diejenigen, die nicht im Bereich einer Streckenführung wohnhaft sind.